Resourcing in Over-Supported Sustainable Entrepreneurial Ecosystems
Dekker, T., Günzel-Jensen, F. & Scheidgen, K. (2026). Resourcing in Over-Supported Sustainable Entrepreneurial Ecosystems. ifh Working Papers (No. 50). Göttingen.
Diese Studie untersucht, wie nachhaltige Gründungsunternehmen Ressourcen in überversorgten nachhaltigen unternehmerischen Ökosystemen (Sustainable Entrepreneurial Ecosystems, SEEs) mobilisieren. Anhand von 76 Interviews und Felddaten aus Kopenhagen und Stockholm – zwei reifen, nachhaltigkeitsorientierten Ökosystemen mit einer hohen Dichte an Entrepreneurial Support Organizations (ESOs) – wird mittels eines induktiven qualitativen Designs nach der Gioia-Methodik analysiert, wie Gründungsunternehmen auf ein Überangebot an Unterstützungsstrukturen reagieren.
Entgegen der verbreiteten Annahme, dass eine höhere ESO-Dichte die Gründungsergebnisse verbessert, zeigen die Befunde, dass übermäßige und redundante Unterstützungsinfrastrukturen strukturelle Ineffizienzen und Fehlallokationen von Ressourcen erzeugen. Drei distinkte Ressourcierungsansätze werden identifiziert:
- Die Hoarders (Hamsterer): Gründerteams, die anfänglich möglichst viele ESO-Angebote akkumulieren, sich dabei aber in einer Abhängigkeit von ESOs verfangen und erkennen müssen, dass institutionelle Eigeninteressen der ESOs ihre unternehmerische Entwicklung behindern.
- Die Inverted Resources (Invertierte Ressourcen): Ventures, die zunächst als Vorzeigebeispiele im Ökosystem gefördert werden und sich zunehmend von Ressourcenempfängern zu Ressourcen für die ESOs selbst wandeln – mit der Folge von Erschöpfung durch Repräsentationspflichten und stagnierender Unternehmensentwicklung.
- Die Instrumentally Engaged (Instrumentell Engagierten): Erfahrene Gründerteams, die ESO-Angebote selektiv und zielgerichtet für spezifische Leistungen (z. B. Lebenszyklusanalysen, ESG-Zertifizierungen) nutzen, dabei Ineffizienzen bewusst in Kauf nehmen und ihre Unabhängigkeit wahren.
Die Befunde zeigen, dass Ressourcenmobilisierung in reifen SEEs weniger ein Problem der Ressourcenknappheit als vielmehr der Ressourcennavigation unter Überfluss darstellt. Die Studie leistet damit einen Beitrag zur Ökosystem- und Ressourcentheorie, indem sie Überversorgung als paradoxe Bedingung konzeptualisiert: Institutionelle Unterstützungslogiken können sich in extraktive Dynamiken umkehren, die die Autonomie der Ventures und die Effizienz des Ökosystems untergraben. Für die Politik leiten sich daraus Implikationen ab, die eine ergebnisorientierte Evaluation von ESOs sowie eine strategische Kuration statt quantitativer Ausweitung von Unterstützungsstrukturen nahelegen.
Für Rückfragen zu den Ergebnissen dieser Studie steht Thekla Dekker zur Verfügung.
