Handwerk als Resilienzakteur in der Flutkatastrophe im Ahrtal

Ansprechpartner

Bearbeitung

Prof. Dr. Till Proeger

Auftraggeber

Handwerkskammer Koblenz

Projektlaufzeit

07/2026 - (geplant) 02/2027

Projektziele

© SvetaZi/Shutterstock.com
© SvetaZi/Shutterstock.com

Das geplante Projekt untersucht explorativ, wie Handwerksbetriebe, Handwerksorganisationen und handwerksnahe Netzwerke während der Flutkatastrophe im Ahrtal reagiert haben.

Ziel ist eine kompakte, qualitativ fundierte Rekonstruktion zentraler Mechanismen, Erfahrungen und Handlungsempfehlungen. Die Untersuchung soll sichtbar machen, was das Handwerk konkret geleistet hat, wie Hilfe organisiert wurde, welche Schnittstellen zu Staat, Kommunen, Betroffenen, Einsatzorganisationen und Infrastrukturbetreibern bestanden und wo strukturelle Lücken erkennbar wurden.

Im Zentrum stehen folgende Leitfragen:

1. Welche konkreten Funktionen übernahmen Handwerksbetriebe und Handwerksorganisationen in der akuten Krise, in der Übergangsphase und im längerfristigen Wiederaufbau? Bei der Untersuchung geht es um praktische Leistungen wie Reparatur, Sicherung, Versorgung, provisorische Wiederherstellung, Gebäudetechnik, Wärme, Wasser, Strom, Bau- und Ausbauleistungen, aber auch um Beratung, Schadensbewertung, Materialbeschaffung und Koordination.

2. Über welche Mechanismen wurde Hilfe organisiert? Zu untersuchen sind formelle und informelle Netzwerke, persönliche Kontakte, Kammern, Innungen, Kreishandwerkerschaften, digitale Plattformen, Spendenaktionen, betriebliche Eigeninitiative, Kooperationen mit Land und Kommunen sowie die Rolle überregionaler Solidarität innerhalb des Handwerks.

3. Welche Engpässe und Probleme traten auf? Relevante Aspekte sind etwa fehlende Transparenz über verfügbare Kapazitäten, Priorisierung von Aufträgen, Material- und Fachkräfteengpässe, rechtliche Unsicherheiten, Versicherungs- und Haftungsfragen, Abrechnung, Bürokratie, Koordination mit Behörden sowie die Doppelbelastung betroffener Betriebe.

4. Welche Schlussfolgerungen lassen sich für eine bessere institutionelle Einbindung des Handwerks in Bevölkerungsschutz, Katastrophenhilfe und Resilienzpolitik ableiten? Hierbei geht es insbesondere um Fähigkeitslagebilder, feste Ansprechpartner, Handwerksbeauftragte in Krisenstäben, vorbereitete Kooperationsvereinbarungen, digitale Vermittlungsstrukturen, Übungsformate und rechtlich-ökonomische Absicherung.

Das Projekt versteht die Flutkatastrophe im Ahrtal damit als Fallstudie für eine allgemeinere Frage: Wie kann das Handwerk als dezentraler, praktisch-technischer und regional verankerter Akteur systematisch zur Erhöhung der gesamtstaatlichen Resilienz Deutschlands beitragen?

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